Community Studium Magdeburg Portal
SucheSucheSpracheSpracheHilfe Hilfe
News | Artikel | Foren | Kalender | Nutzer | Schwarzes Brett | Shop | Galerie

Artikel

Wirtschaft

WebUni-Artikelserie: Finanzen, Vorsorge und Vermögen - III

Teil 3: Grundlagen der Geldanlage

WebUni-Artikelserie: Finanzen, Vorsorge und Vermögen - IIIDas zweite große Geldthema nach der Risikovorsorge ist der Vermögensaufbau. In diesem Artikel werden für die WebUni-User ein paar grundsätzliche Kenntnisse über Geldanlagen präsentiert. In späteren Artikeln werden dann einzelne Anlageformen genauer betrachtet.




Einleitung - Arten der Geldanlage

Es gibt heutzutage eine verwirrende Anzahl von Möglichkeiten, Geld anzulegen, und ständig preisen uns Werbung, Finanzhäuserund Vermittler ihre Produkte an. Einige dieser Möglichkeiten sind
  • Sparbuch
  • Festgeld
  • Aktien
  • Kapitallebensversicherungen
  • Investmentfonds
  • Bausparverträge
  • Schatzbriefe und Anleihen ("Renten")
  • Futures und andere Derivate
  • Schiffs-, Windpark- und andere Beteiligungen
  • Währungen
  • Rohstoffe

    Um all diese Möglichkeiten ausführlich zu erläutern, würde sehr viel Raum und Zeit beanspruchen. Einige davon sind für Privatleute kaum relevant; andere sind kaum besser als Bauernfängerei. Es ist sehr schwer, sich bei dieser sehr großen und heterogenen Auswahl gut auszukennen; zumal viel irreführende Information zu dem Thema bewusst und unbewusst verbreitet wird.

    Glücklicherweise sind die Grundkenntnisse, die man dazu braucht, relativ einfach; damit kann man schon viele Angebote aus der näheren Betrachtung ausschließen. Für die Details ist man allerdings auf die Auskunft der Fachleute und der Fachliteratur angewiesen.




    Das "magische Dreieck" der Geldanlage

    Die wahrscheinlich wichtigste Erkenntnis über Geldanlagen wird durch das sogenannte "magische Dreieck der Geldanlage" illustriert:





    Das "magische Dreieck der Geldanlage"


    Das Dreieck beschreibt die drei Kerneigenschaften jeder Investition: Rendite, Verfügbarkeit und Risiko. Im Idealfall hätte eine Geldanlage eine hohe Rendite bei maximaler Verfügbarkeit und minimalem Risiko. Leider schließen sich die drei Eigenschaften zum Teil gegenseitig aus. Je nach Geschmack und Lebenslage können die drei Eigenschaften eine unterschiedliche Rolle spielen. Jede Geldanlageform sollte im Hinblick auf diese drei Kerneigenschaften überprüft und auf die persönliche Situation abgestimmt werden.

    Rendite

    Rendite (Rentabilität, Ertrag) ist die Wachstumsgeschwindigkeit der Geldanlage. Sie schwankt zwischen mehreren 100% plus (der Anlagebetrag vervielfältigt sich) bis -100% (der Anlagebetrag wird vollständig vernichtet). Um real zu wachsen, muss die Anlage natürlich eine Rendite aufweisen, die mindestens der Inflationsrate entspricht.

    Die Anlageformen unterscheiden sich sehr stark bezüglich ihrer Rendite: ein Sparbuch bei der Bank bringt z.Zt. rund 2% Zinsen und schafft es somit gerade noch, mit der Inflation Schritt zu halten. Wer sein Geld dagegen 1987 in den DAX (Deutscher Aktienindex, bestehend aus den 30 größten Unternehmen des Landes) angelegt hat, hätte es bis Ende 2003 vervierfacht, was einer mittleren jährlichen Rendite von ungefähr 9% entspricht. Im selben Zeitraum hat sich eine Anlage in der Firma Microsoft verhundertfacht, was einer mittleren jährlichen Rendite von über 30% entspricht.





    Wachstum von 1 Eur über 30 Jahre bei 4%, 6% und 8% jährlicher Rendite.


    Durch den Zinseszinseffekt können schon kleine Unterschiede in der jährlichen Rendite nach einem langen Zeitraum beträchtliche Unterschiede im Ergebnis hervorrufen. Die Graphik zeigt den Wertzuwachs einer Investition bei 4%, 6% und 8% jährlicher Verzinsung. Nach 30 Jahren sind aus einem Euro 3.2, 5.7 bzw. 10 Euro geworden. Als einfache Faustregel gilt: 72 geteilt durch die jährliche Rendite ergibt die Anzahl Jahre bis sich der Anlagebetrag verdoppelt hat.


    Verfügbarkeit

    Unter Verfügbarkeit (Liquidität) versteht man die Dauer der Geldanlage, bzw. die Zeit die man dafür benötigen würde, die Anlage aufzulösen und sich auszahlen zu lassen. Natürlich ist eine möglichst hohe (d.h. kurzfristige) Verfügbarkeit erstrebenswert. Auch hier unterscheiden sich die Anlageformen erheblich. Am liquidesten sind alle an der Börse gehandelten Wertpapiere, die man während der Börsenzeiten innerhalb von ein paar Sekunden verkaufen kann. Am wenigsten liquide sind Beteiligungsfonds, Kapitallebensversicherungen und viele andere "konstruierte" Anlageformen, die z.T. beträchtliche Bindungsfristen haben, oft z.B. 10 Jahre oder noch länger. Hier ist es entweder gar nicht möglich, vorher an das investierte Geld ranzukommen, oder es muss bei vorzeitiger Entnahme eine empfindliche "Strafgebühr" bezahlt werden.





    Ein paar typische Verfügbarkeiten.


    Bei Sparanlagen gilt: je länger die Bindung, desto höher die Rendite. Bei den konstruierten Anlageformen sind lange Bindungen oft Voraussetzung für die attraktiven Steuervorteile. Natürlich will man in der Regel eine möglichst kurze Bindung haben, um flexibel auf veränderte Lebens- oder Marktumstände reagieren zu können. Nur wenn man ganz sicher ist, dass man längere Zeit auf das Geld verzichten kann und will, machen längere Kündigungsfristen Sinn.

    Risiko

    Risiko ist die Wahrscheinlichkeit, dass das investierte Geld einen Verlust macht oder sogar völlig verloren geht. Am sichersten sind die traditionellen Produkte der Banken und Versicherungen: Sparbuch, Festgeldkonto, Kapitallebensversicherung usw. Diese haben ein äußerst geringes oder gar kein Risiko. Aus diesem Grund sind sie bei privaten Verbrauchern auch sehr beliebt. Ein geringes Risiko haben Rentenpapiere (z.B. Anleihen des Bundes.) Risikoreicher ist die Investition in ein Unternehmen durch den Kauf von Aktien, denn wenn das Unternehmen Konkurs macht, ist das investierte Geld verloren. Das höchste Risiko tragen Futures und ähnliche Derivate.

    Die nächste Graphik zeigt den monatlichen Wert einer Anlage in der Microsoft-Aktie von Januar 1987 bis Dezember 2003. Der errechnete Wert am 1.1.1987 betrug 0.25. Ende 2003 betrug der Wert rund 25, oder rund 100 Mal so viel. Doch im Vergleich zur Spitze im Jahr 1999 ist der Wert Ende 2003 nur ungefähr die Hälfte.





    Wert einer Anlage in der Firma Microsoft 1987-2003.


    Generell gilt: je höher das Risiko, desto höher das Renditepotential. Anders gesagt: Sicherheit muss man durch geringere Renditen erkaufen. Es kann keine sichere Geldanlage mit einer hohen Renditeerwartung geben (auch wenn die Werbung das gelegentlich anders behauptet.)




    Anlagehorizont und Risikobereitschaft

    Die wichtigsten persönlichen Faktoren bei der Wahl einer Anlageform sind Anlagehorizont und Risikobereitschaft.

    Anlagehorizont ist die beabsichtigte Dauer der Geldanlage. Das bedeutet die Zeit, die man auf das Geld verzichten kann und will; es wäre ein folgenschwerer Fehler, Geld längerfristig anzulegen, das man aber brauchen wird, wenn das Auto repariert werden muss oder etwas Wichtiges zu kaufen ist.

    Risikobereitschaft ist die Bereitschaft, finanzielle Risiken in Kauf zu nehmen. Manche Menschen scheuen das Risiko, während sich andere gerne darauf einlassen. Wenn man nachts nicht einschlafen kann, weil der Dow Jones Index um 0.5% gefallen ist, sollte man keine Aktien kaufen!

    Bei Privatpersonen verringern sich mit zunehmendem Alter Anlagehorizont und Risikobereitschaft ? typischerweise wird die Geldanlage als Altersvorsorge betrieben. In jungen Jahren sollten primär Anlagen mit hoher Volatilität (s.u.) gekauft werden, um den Vorteil der höheren Renditen zu erhalten; später geht man zunehmend zu schwankungsarmen und sichereren Varianten über.




    Volatilität

    Volatilität bezeichnet die Schwankung des Kurses eines Wertpapiers. Einzelne Aktien können börsentäglich um bis zu 5% steigen oder fallen, und über ein Jahr gesehen können ganze Märkte um 50% und mehr nach oben und nach unten gehen.

    Die höchste Volatilität haben Derivate (Futures, Optionen, Optionsscheine.) Binnen weniger Stunden können diese um ein Vielfaches an Wert gewinnen, aber auch radikal abstürzen. Eine hohe Volatilität haben Aktien, vor allem von kleinen High-Tech-Unternehmen. Eine geringe Volatilität haben Anleihen (z.B. von Bund und Ländern). Eine Volatilität von Null haben Sparformen mit fest vereinbartem Zins, z.B. ein Sparbuch. Generell gilt, dass die Anlageformen mit hoher Volatilität auch die höchsten Renditen erwirtschaften können.

    Die Graphik zeigt die Performance eines der weltweit bekanntesten Investmentfonds zwischen 1996 und 2003. Die Volatilität ist ziemlich deutlich: in zwei Jahren fiel der Wert (um 10% bzw. 23%) während er in den anderen Jahren zwischen 6% und 52% Wachstum erreicht hat.





    Performance eines bekannten Investmentfonds 1996-2003 (normierter Maßstab)


    Dieses Beispiel macht klar, dass Anlagehorizont, Risikobereitschaft, Rendite und Volatilität zusammenhängen; eine Anlage mit hoher Volatilität ist nichts für schwache Nerven und zudem für eine kurzfristige Geldanlage völlig ungeeignet, denn wenn man Pech hat, muss man sein Geld während einer Schwächephase wieder entnehmen, was zu einem Verlust führen kann. Andererseits kann ein langer Anlagehorizont zu beträchtlichen Renditen führen (in diesem Beispiel mehr als 80% innerhalb von sieben Jahren.)




    Streuung

    Ideal wäre also eine Anlageform mit geringem Risiko und geringer Volatilität bei zugleich hoher Rendite und Verfügbarkeit. Nur kann es leider keine solche Anlageform geben. Was sollte man also als Privatmensch tun?

    Das wichtigste Prinzip hierbei ist die Streuung, also die Verteilung seines Geldes auf mehrere Anlagen und Anlageformen, die sich weitgehend unterschiedlich und voneinander unabhängig entwickeln. Durch die Streuung verringert man sowohl das Risiko als auch die Volatilität. Wissenschaftliche Analysen haben gezeigt, dass eine geeignete Streuung bei Aktien eine Verringerung der Volatilität ohne Renditeverlust ermöglichen kann.

    Bei Privatpersonen wird z.B. oft empfohlen, das Vermögen in Immobilien, Aktien und Renten aufzuteilen. Bei den Aktien wird wiederum empfohlen, ein möglichst breites Sortiment zu kaufen, von Firmen aus unterschiedlichen Ländern und Branchen. Hierfür eignen sich Aktienfonds sehr gut, die in einem späteren WebUni-Artikel ausführlich beschrieben werden.




    Steuern

    In Deutschland ist das Thema Steuern sehr wichtig. Anlageformen unterscheiden sich bei der steuerlichen Behandlung der Gewinne sehr stark, und es gibt viele Anlagenformen, die gezielt konstruiert wurden, um Steuervorteile zu ermöglichen.

    Generell gilt, dass ? bis auf einen kleinen Freibetrag ? alle Gewinne der Einkommenssteuer unterliegen ("Einkünfte aus Kapitalanlagen.") Gewinne aus Aktien und Investmentfonds sind steuerfrei, sofern ein Mindestzeitraum zwischen Kauf und Verkauf eingehalten wird. Einkünfte aus Kapitallebensversicherungen waren bisher steuerfrei; die Bundesregierung erwägt aber z.Zt. die Ausweitung der Steuerpflicht auf diese Produkte. Wie man sieht, ist das eine verwirrende Sache?

    Deswegen gehören zu den kompliziertesten Anlagen diejenigen, die Steuervorteile und -schlupflöcher nutzen. Zu diesen gehören Beteiligungen an Immobilien, Schiffen und Windparks. Diese Anlagen werden so konstruiert, dass sie entweder in den Genuss besonderer Steuervergünstigungen kommen oder dass sie zunächst einen wirtschaftlichen Verlust geltend machen, der die sonst zu bezahlende Einkommenssteuer (z.B. auf Grund eines Gehalts) verringert. Solche Angebote richten sich also an Leute, die ein hohes Einkommen haben.




    Vorsicht ist geboten!

    Bei Geldanlagen ist äußerste Vorsicht geboten ? der Markt ist sehr lukrativ und sehr heiß umkämpft. Es gibt eine schier unüberschaubare Anzahl an Produkten und Anlageformen und jede Menge Menschen und Firmen, die sie gerne verkaufen oder vermitteln möchten. Auch ist die Anzahl der unseriösen Anbieter sehr groß. Immer wieder wird in den Nachrichten von Organisationen berichtet, die ahnungslosen Kunden mit heißen Renditeversprechungen Geld abnehmen und dann auf nimmer wiedersehen verschwinden. Auch bei den seriösen Anbietern wird in der Werbung nicht immer die ganze Wahrheit gesagt. Bei freiberuflichen Vermittlern und bei der eigenen Bank werden oft nur diejenigen Produkte angeboten, die die höchste Provision abwerfen bzw. solche, die die Geschäftsleitung vorschreibt.

    Bevor man Geld anlegt, empfiehlt es sich immer, sich ausführlich zu informieren und sich einen Überblick über alle Möglichkeiten zu verschaffen. Manchmal scheint die Wahl klar zu sein; z.B. aus Gewohnheitsgründen ("schließlich hat jeder ein Sparbuch/eine Kapitallebensversicherung/einen Bausparvertrag"), weil man gerade von der Werbung oder einer Modewelle (z.Zt. beispielsweise Garantie- und Hedgefonds) erfasst worden ist, oder weil einem ein Bekannter oder Verwandter einen gut gemeinten Tipp gibt. Gerade in solchen Situationen ist es ratsam, sich noch einmal umzuschauen und sich zu vergewissern, dass man sich genügend gut auskennt, um eine gute Wahl zu treffen.




    Disclaimer

    Die Informationen in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen und Gewissen wiedergegeben. WebUni übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben und spricht keine Anlageempfehlungen aus. Verbindliche Auskunft kann nur die entsprechende Gesellschaft bzw. ein Steuerberater geben.


    Siehe auch...

    WebUni-Artikelserie: Finanzen, Vorsorge und Vermögen - I (Thread: Wirtschaft, geschrieben am 06.04.2004 10:13 von $DEL_387)
    WebUni-Artikelserie: Finanzen, Vorsorge und Vermögen - II (Thread: Wirtschaft, geschrieben am 16.05.2004 18:41 von $DEL_387)



    Artikel, die auf diesen Artikel verweisen....

    WebUni-Artikelserie: Finanzen, Vorsorge und Vermögen - IV (Thread: Wirtschaft, geschrieben am 17.11.2004 23:33 von $DEL_387)
    WebUni-Artikelserie: Finanzen, Vorsorge und Vermögen - V (Thread: Wirtschaft, geschrieben am 17.11.2004 23:55 von $DEL_387)



    Diskussionsthread: WebUni-Artikelserie: Finanzen, Vorsorge und Vermögen - I
  • 8214 Klicks | 39 Kommentare | Bewertung: 7.44 (9) | geschrieben am 07.06.2004 09:00 von Graham

    Webuni Toolbar

    loginLogin
    Anmelden
    Nutzer online: Nutzer online:
    Ausführungszeit: 0.2033 Sek. | Serverload: 0.29