ArtikelDie Top-Ten Fehler bei AbschlussarbeitenTypische Gestaltungsfehler bei Studien- und DiplomarbeitenBei der Gestaltung von Studien- und Diplomarbeiten gibt es einige typische Schwierigkeiten. In den mehr als zehn Jahren, in denen ich inzwischen an der Uni prüfe, sind es immer wieder dieselben Fehler, die auftauchen. Als Hilfestellung für Studierende am Lehrstuhl für Simulation habe ich diese Probleme in einem Dokument veröffentlicht. In diesem Artikel habe ich die "Top-Ten-Probleme" für die WebUni-Leser zusammengefasst. Die Top-Ten-Liste 1. Sackgassen. Es stehen Ausführungen im Text, die nie mehr benötigt werden; sie tragen nicht zur Argumentationsentwicklung bei und es wird nirgends darauf Bezug genommen. Sie sind also Sackgassen. Sie tauchen typischerweise im Grundlagenkapitel in Verbindung mit Problem #2 auf. 2. Nutzlose Grundlagen. Es tauchen Grundlagen auf, die einfach aus Theoriebüchern oder Firmendokumenten abgeschrieben worden sind aber inhaltlich nicht zur Arbeit beitragen. Diese sind also argumentative Sackgassen im Sinne von Punkt #1. Als Leitlinie gilt: wenn man die Information nicht braucht, um später etwas zu erklären, kann man darauf verzichten! Es gilt das Prinzip "so wenig wie möglich, so viel wie nötig." 3. Motivationslosigkeit. Sowohl die Arbeit als Ganze als auch die einzelnen Abschnitte und Behauptungen werden einfach hingestellt, ohne jede Begründung oder Motivation. So versteht der Leser zwar, was gemacht wurde, jedoch nicht wozu. Das Ergebnis ist eine Arbeit, die kaum mehr ist als eine Aneinanderreihung von Tatsachenbeschreibungen. 4. Ziellosigkeit. Dieser Punkt ähnelt Problem #3: Die Arbeit wird präsentiert als fachliches Statement, ohne zu erklären, welche Ziele das Projekt hatte und welche Erwartungen man an die Ergebnisse hat. Projekte werden nur begonnen, weil der Auftraggeber Erwartungen an das Ergebnis hat, und diese werden durch Ziele spezifiziert. Darum gehören diese Aspekte auf jeden Fall auch in den Projektbericht. Wenn man Erwartungen und Ziele nicht nennt, ist man zudem nicht in der Lage, die Ergebnisse und Erfolg oder Misserfolg des Projektes zu beurteilen. 5. Insularismus. Die Arbeit wird geschrieben ohne nach links oder nach rechts zu blicken. Es hat für den Leser den Anschein, als wäre das Projekt auf einer einsamen Insel durchgeführt worden, ohne die Alternativen zu betrachten und ohne die Vor- und Nachteile der eigenen Lösung mit denen der Alternativen zu vergleichen. Im experimentellen Teil werden keine Vergleiche mit existierenden (und somit konkurrierenden) Verfahren gemacht. In manchen Fällen ist nicht einmal ersichtlich, was der eigene Beitrag ist und was bereits vorhanden war. 6. Den Wald vor lauter Bäume… Manche Arbeiten sind so detailverliebt, dass das "große Bild" verloren geht. Am Schluss angekommen ist der Leser zwar erschöpft, hat aber nicht das Gefühl, wirklich verstanden zu haben, worauf es bei der Arbeit ankommt. 7. Keine Argumentation. Ein weiterer Aspekt von Punkten #3 und #4: es werden keine Argumente vorgebracht für oder wider einzelne Entscheidungen oder Vorgehensweisen. Stattdessen werden diese einfach hingeschrieben. Es wird zu selten Gebrauch gemacht von Argumentationshilfen wie "deswegen", "aus diesem Grund", "deshalb", "einerseits… andererseits", oder "weil". 8. Folgenlosigkeit. Es wird zu wenig auf die Folgen und Konsequenzen von fachlichen Entscheidungen und experimentellen Ergebnissen eingegangen. Sehr häufig liest man Abschnitte und Kapitel, die irgendwelche fachlichen Dinge ausführlich beschreiben, denen aber der Schluss komplett fehlt. Die Interpretation der Folgen der Ergebnisse ist zudem eine der besten Gelegenheiten, "Punkte zu sammeln". 9.Insiderjargon. Es werden Abkürzungen und Fachbegriffe verwendet, ohne diese einzuführen und zu erläutern. Der Leser versteht nicht, was gemeint ist, oder ihm fehlen wichtige Hintergründe dazu. Dieser Fehler tritt meistens bei Arbeiten auf, die in der Industrie angefertigt wurden und die "Hausjargon" enthalten. 10. Den Leser im Dunkeln lassen. Oft fehlen Erläuterungen oder Beispiele. Der Leser kommt kaum, oder nur unter größeren eigenen Anstrengungen mit. Oft fehlt einfach ein erläuterndes Diagramm oder eine Grafik. (Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte!) Problematisch sind auch unangemessene Diagramme, deren bildliche Aussage eine ganz andere ist, als vom Autor eigentlich beabsichtigt (oft weil sie viel zu kompliziert sind oder weil sie aus einer anderen Quelle und somit aus einem anderen Kontext kopiert wurden.) Zusammenfassung Diese Top Ten Fehler können zu drei Kategorien zusammengefasst werden: I. Reflektionslosigkeit (3, 4, 5, 6, 7, 8). Der Leser bekommt den Eindruck, dass der Bearbeiter über sein Projekt nicht nachgedacht hat und nicht wirklich verstanden hat, wozu sein Projekt dient. Selbst wenn die fachliche Arbeit einwandfrei gewesen ist, wird dies natürlich zu einem deutlichen Notenverlust führen. II. Roterfadenlosigkeit (1, 2, 3, 4, 7, 8). Die Arbeit hat keinen roten Faden, oder dieser reißt immer wieder ab oder verläuft sich in Sackgassen. Hierin unterscheidet sich eine gewöhnliche Arbeit von einer sehr guten; eine gute Arbeit hat eine konsequent durchgezogene Argumentationslinie, und alle fachlichen Ausführungen sind eingebettet zwischen einer motivierenden Einleitung und einer Schlussbemerkung, die die wichtigsten Aspekte wiederholt und interpretiert. III. Technische Mängel (9, 10). Dies sind die einfachen Erläuterungsfehler. Von diesen drei Kategorien ist #1 am folgenreichsten für die Note. Ohne Reflexion liest sich die Arbeit wie: "Ich habe einfach dies und das gemacht weil mein Betreuer es so gewollt hat", und sie reicht maximal zum Nachweis der fachlichen Ausführungskompetenz. Mit der Reflexion beweist man sich zudem noch als reifer und kompetenter Bearbeiter eines Projektes und verdient sich dadurch ein gute Note .Wichtiger Hinweis Die Erwartungen und Forderungen bei Studien- und Diplomarbeiten unterscheiden sich sehr stark; sowohl von Fach zu Fach als auch unter den Hochschullehrern derselben Fachrichtung. Die Bemerkungen und Empfehlungen, die in diesem Dokument präsentiert wurden, gelten nur für Arbeiten, die am Lehrstuhl für Simulation angefertigt werden; sie gelten nur bedingt (falls überhaupt) für andere Einrichtungen. Insbesondere in Bezug auf den Punkt "Nutzlose Grundlagen" sind viele Prüfer abweichender Meinung. Es empfiehlt sich für Studierende immer, sich mit den individuellen Erwartungen des eigenen Betreuers vertraut zu machen. Siehe auch... Tipps für die Diplomarbeit (Thread: Studium & Wissen, geschrieben am 01.09.2005 01:04 von chris) Diskussionsthread: Tipps für die Diplomarbeit | Die neuesten ArtikelDie besten Artikel |

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